Der Tag an dem meine Hochsensibilität ihr Wort fand

Ich bin die Tochter meiner Mutter. Ich bin die Tochter meines Vaters. Ich bin Halbschwester, bin Enkelin, bin Nichte und Cousine. Ich bin Freundin, bin Partnerin und bin Schwiegertochter. Ich bin Mädchen und ich bin Frau. Ich bin Schülerin und Studentin, ich bin arbeitssuchend und angestellt. Ich bin Coach und ich bin Jugendlich. Ich bin Erwachsen und ich bin Kind. Ich bin Mieterin und Vertragspartnerin. Ich bin Nachbarin, bin Käuferin, bin Zuseherin und Gast. Ich bin Bürgerin und ich bin Klarinettistin. Ich bin Zuhörerin und Teammitglied. Ich bin lustig und ich bin traurig, bin müde, bin munter, bin froh, bin betrübt, bin weich und bin hart. Ich bin mutig, bin unsicher, bin betrunken, bin nüchtern, bin empathisch. Ich bin angepasst und ich bin unangenehm.
Und ich bin hochsensibel.

Es gibt viele Möglichkeiten mich wahrzunehmen. Möglichkeiten mich zu schubladisieren, sich eine Meinung über mich zu bilden und sich ein Bild von mir zu machen. Es gibt viele Scheinwerfer in dessen Licht ich gesehen werden kann. Und auch ich darf mich aus diesen unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.
Jetzt gerade, in diesem Moment in dem ich hier am Esstisch sitze, sich mein Kater sein Fell, nach einer Nacht draußen, putzt, habe ich das Bedürfnis zu beschreiben, wie ich ein Wort für mein Sein fand. Ein Wort, ein Phänomen, eine Erkenntnis und damit ein Erlebnis, das mich nachhaltig verändern sollte. Es sollte ein Tag werden, an dem ich einen Einblick in meine Einzigartigkeit erhalten habe.
Damals durfte ich erkennen, dass ich mehr als das war, was ich bis dahin von mir wusste.

Den Begriff der Hochsensibilität und damit der Scheinwerfer mit dem ich nun mein Leben und mein Wirken betrachten darf, durfte ich in einem Urlaub in Bali, und einem Aufenthalt in Kuta, entdecken:
Kuta heißt viele Stände mit Menschen die ihre Waren lautstark anpreisen. Es riecht nach Autoabgasen, Gewürzen die ich nicht kenne und fettigem Essen. Ich höre ohrenbetäubenden Lärm aus den Geschäften, aus Lokalen wo Menschen Cocktails schlürfen und eine Kellnerin in FlipFlops mehrere Biere zu dem hinteren Tisch mit vier Männern mit roten Backen tragen. Sie sehen sich gegenseitig und dann die junge Kellnerin an die sie freundlich anlächelt und das Geld das auf dem Tisch liegt mit ihren dünnen Händen aufnimmt. Ich sehe einen älteren Mann an der Ecke stehen, eine Schlange um den Hals gewickelt und einem Leguan in der Hand. Es riecht nach aufgebrannter Haut und Salz und dem Mann an der Ecke fehlt ein Zahn auf der linken oberen Seite. Seine Lippen sind etwas aufgerissen und seine Pupillen geweitet. Er steht mit einem Bein auf dem Gehsteig und mit dem anderen auf der Straße in einer kleinen Pfütze und ich frage mich, ob ihm nicht auffällt, dass seine Zehen im Nassen sind. Meine Kleidung klebt an meiner Haut und ich wünschte ich hätte kaltes Wasser das ich mir für Abkühlung über den Kopf leeren könnte. Autos und Mopeds, auf denen oft mehrere Menschen sitzen, schieben sich durch die enge Gasse in der ich stehe. Es wird gehupt und geschrien, gelacht und von Touristen mit Hüten und Kameras gefeilscht. Ich stehe da, neben einem dieser Stände, ich sehe T-Shirts und Badehosen, Tücher und Röcke, rieche Räucherstäbchen und Kanalgeruch steigt mir plötzlich in die Nase. Ich sehe viele DVDs und frage mich, ob die Filme darauf in Englisch oder Deutsch sind. Sehe den einen Film den ich mir eigentlich vor einem Jahr mit meiner Freundin im Kino ansehen wollte und erinnere mich, dass ich dann abgesagt habe, weil ich doch keine Lust auf Kinofilm sondern Essengehen hatte. Ich frage mich ob ich die DVD kaufen solle, ob ich sie meiner Freundin zur Überraschung mitbringen soll. Währenddessen kommt mir der Gedanke wie ich mit der DVD im Koffer von einem Zollbeamten am Wiener Flughafen (ich meine in Schwechat – ist das nicht ein bisschen außerhalb von Wien, und warum heißt es dann man fliegt nach „Vienna“?) aufgehalten werde und er die DVD aus dem Koffer nimmt. Würde ich dann bestraft werden? Aus dieser Szene werde ich aufgrund eines komischen Gefühls gerissen. Ich sehe eine Frau die mich erwartungsvoll anblickt und ich entnehme ihrem Blick, dass sie sich fragt, ob mir etwas gefallen könnte. Ich streife bei einem Kleid das neben mir hängt und durch einen heißen Luftzug an meine Haut gelangt. Ich greife es an, es ist ein leichter Stoff und ich stelle mir vor wie ich es an meiner Haut trage. Ich spüre wie es sich ob der Hitze an meinen Körper ankleben würde und sehe seine schreienden Farben in Rot und Orange. Eine Farbkombination die mir in den Augen fast weh tut. Ich habe Durst und die Hitze steigt in mir auf. In diesem Moment wird mir bewusst, dass ich doch eigentlich nicht alleine da bin. Ich drehe mich um, Thomas steht neben mir und sieht mich an. Ein Mopedfahrer hupt mich an, ich trete einen Schritt zurück und jetzt spricht mich die Frau an, ob mir das Kleid gefalle und dass sie einen guten Preis anbieten könne. Angestrengt ringe ich nach englischen Wörtern die ich zu einem Satz zusammensetzen will, um der Frau verständlich zu machen, dass ich kein Interesse habe. Währenddessen sehe ich diesen kleinen Hund zwischen den in Schritttempo fahrenden Autos der an einem weggeworfenen Strohhalm nagt und frage mich wie es wäre wenn ich diesen Hund aufnehmen würde, mit nach Österreich zu mir nehmen würde. Was würden meine Freundinnen und meine Familie dazu sagen. Hätte ich eine Futterschüssel zu Hause? Ich überlege wie nochmal das eine Geschäft heißt wo man diese ganzen Tiernahrungsmittel kaufen kann. Die Frau spricht weiter mit mir und im Augenwinkel sehe ich Thomas der weitergeht. „Fressnapf“ heißt das Tiergeschäft und „dress“ heißt Kleid auf Englisch. Da hinten stehen Wasserflaschen zum Kauf und ich rieche Gebackenes – mein Magen meldet sich. Während ich Thomas folge um ihn nicht zu verlieren, drehe ich mich noch einmal um und empfinde Mitleid für die Frau, der ich nun nichts abgekauft habe. Ich glaube in ihren Augen Enttäuschung zu erkennen und stelle mir vor wie sie wohl wohnt. Ob sie Kinder hat und ob sie schon immer in Kuta gelebt hat. In diesem Moment nimmt mich Thomas am Arm, ich erschrecke mich und sehe ihn mit aufgerissenen Augen an. Wir sehen uns für eine kurze Sekunde tief in die Augen und entscheiden ohne Worte so schnell wie möglich ins Hotelzimmer zu gehen.
Dort angekommen legen wir uns stillschweigend mit dem Rücken auf das Bett. Arme und Beine vom Körper gestreckt. Die Klimaanlage läuft und ich spüre endlich wieder kalte Luft auf meiner Haut. Ich starre auf die weiße Hotelzimmerdecke und rieche den Duft von dem neuen Parfum, dass ich mir vorm Weggehen aufgesprüht habe. Ich bin müde und erschöpft und mein Magen knurrt. Ich atme tief durch und frage mich laut: „Was war denn das? Warum schaffen das andere und ich nicht?“ Ich breche in Tränen aus. Ich fühle mich ausgelaugt und angespannt. Fühle mich komplett voll und weiß nicht wohin mit all meinen Gedanken und Empfindungen. Es fühlt sich an als würde ich implodieren. Ich nehme Thomas kaum wahr, bis er selbst einen lauten Seufzer von sich gibt und mir zuspricht. Ihm gehe es genauso und ich sei nicht alleine. Wir sehen uns an und entscheiden unseren Empfindungen auf den Grund zu gehen.

An diesem Tag stoßen wir online auf den Begriff der „Hochsensibilität“ und füllen einen angebotenen Fragebogen aus. Schon beim Ausfüllen des Fragebogens muss ich lächeln. So viele Fragen in denen ich mich wiederfinde. Mich erfreut alleine der Umstand, dass so viele beschriebene Eigenschaften und Situationen auf einem Blatt Papier stehen, die anscheinend in einem Zusammenhang stehen und alle irgendetwas mit mir zu tun haben. Ich fühle mich beschrieben und verstanden womit die Auswertung für mich nicht mehr bedeutend war. Endlich fühlte ich mich angekommen und so Vieles macht auf einmal Sinn.

An diesem Tag begeben Thomas und ich uns gemeinsam, und jeder für sich, auf die Reise zu unserer Wesensart. Seit diesem Tag hat sich Vieles verändert und ich durfte wundervolle Erfahrungen mit meiner neu gewonnen Erkenntnis machen. Dieser Tag sollte einer dieser werden, der mir in Erinnerung bleibt. Es bleibt der Tag an dem ich einen weiteren Schritt, einen bedeutenden Schritt, zu meinem Selbst gehen durfte.

Mit diesen Zeilen und der Beschreibung dieses Tages möchte ich auch dich ermutigen, einen Schritt zu dir selbst zu gehen. Zu erkennen, welch wunderbares Wesen in dir ist. Wie kostbar all deine Eindrücke und dein Erleben für dich und diese Welt sind. Dass du mit deiner Einsicht in dein hochsensibles Wesen auf dich stolz sein kannst. Dass du dir zugestehen darfst, einen gesunden Egoismus zu integrieren, um dir selbst treu zu sein.
Dir wurde ein besonderer Zugang zu dieser Welt geschenkt – er ist weitreichend und tiefgehend. Sobald du erkennst, wie wundervoll deine Gabe, dein Blick und dein Gespür für die Welt sind, wirst du spüren wie bedeutend du bist. Du wirst spüren, dass du immer gut genug, geliebt und geborgen im Leben bist. Erlaube dir, selbstsicher mit deiner Meinung, deinen Empfindungen zu sein und deinen eigenen Lebensweg zu gehen. Finde in dir ein Zuhause mit dem es dir möglich ist, deine Bedürfnisse und deine innere Stimme wahrzunehmen. Dein Vertrauen in dich und dein eigenes Leben wird dich in deine wahre Größe bringen.
Habe den Mut und die Überzeugung, dass deine besondere Persönlichkeit und damit du, ein wirksamer Teil dieser Erde bist. Was du machst, denkst und fühlst hat Bedeutung.
Ich möchte dich von Herzen dazu ermutigen, dieses Geschenk anzunehmen, deine Bedeutung für die Welt anzuerkennen und dich und dein Leben, wie es dir entspricht zu leben.
Denn wenn wir unsere Gaben und Potentiale die in uns wirken, in die Welt tragen, werden wir mit unserem Leben und unserer Liebe die Gegenwart und Zukunft unserer Erde verändern.

Lasst uns erfahren, wie befreiend dieser Weg ist.

Hey! Wir sind Miriam & Thomas Leo

und wir unterstützen Hochsensible ihre Gabe privat & beruflich als Superpower zu leben.

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